Navigation überspringen

Von 1964 bis heute Rückblick

Entzückt erröteten die jungen Mädchen, als ihnen Udo Jürgens im studio dumont seinen Namen auf Autogrammkarten, Schallplatten und nackte Arme schrieb. Die Teenager von damals haben heute selbst erwachsene Töchter. Und die finden Udo Jürgens vielleicht eher peinlich.

Wer durch die Chronik des Kultur- und Kommunikations-Treffs studio dumont blättert, erlebt eine Zeitreise, lächelt, staunt, hält nachdenklich inne. Er stellt fest, dass sich vieles geändert hat - anderes jedoch überhaupt nicht. Unübersehbar gewechselt hat das Ambiente: Das frühere studio unten im alten Pressehaus hatte in seinen letzten Jahren technische Mängel, sich aber auch eine Menge Charme bewahrt. Passanten schlenderten vorbei, sahen durchs große Fenster, dass drinnen "etwas los" war, eine engagierte Diskussion, eine Novitäten-Bücher-Ausstellung, Ausdruckstanz oder eine schräge Modenschau. Neugierig geworden, traten sie ein oder besorgten sich eine Karte für den nächsten Abend. Außerdem gab es ein treues Stammpublikum.


Das studio wurde 1964 aus "inniger Verbundenheit des Hauses M. DuMont Schauberg und der Zeitung mit der Stadt und ihren Menschen" eingerichtet. So beschrieb es damals der Verleger Kurt Neven DuMont. Die Ausstellung zur Eröffnung hatte den Titel: "Weltspiegel Zeitung - Zeitgeschichte in Photos und Schlagzeilen".


Auch Pop-Kultur spiegelt allerdings Zeitgeschichte. Lange Schlangen bildeten sich Ende der Sechziger vor dem studio, wenn Stars wie Udo Jürgens, Esther und Abi Ofarim, die Bee Gees oder Jimi Hendrix, seinerzeit 23 Jahre alt, zur Autogrammstunde erwartet wurden. Über diese Ereignisse berichteten natürlich der Kölner Stadt Anzeiger und Express. So erfuhren die Leser, dass sich Jimi Hendrix, "der Indianerjunge aus den Slums von Seattle", nichts sehnlicher wünschte als "täglich eine Stachelbeertorte".


Von jeher wurden im studio zudem ernste soziale und politische Fragen aufgegriffen. So schilderte eine Ärztin im Januar 1968, wie brutal manche Eltern ihre Kinder misshandeln. Der Vortrag habe den Zuhörern den Atem verschlagen, heißt es in dem Bericht darüber. Was die Medizinerin damals berichtete, ist heute noch bedrückende Realität. Und weil gewaltfreie Erziehung auch ein wichtiger Schwerpunkt der Aktion "wir helfen" ist, erhält das Thema bis heute immer wieder Raum im studio dumont.


Die studio-Chronik spiegelt, was die Menschen seit 1964 bewegte: Ein Schriftsteller provozierte zum Streitgespräch, eine "Griechische Woche" widmete sich den Verfolgten der Militärdiktatur, ein ostdeutscher Pfarrer sprach zur deutschen Einheit, Menschen verschiedener Konfessionen übten nach dem 11. September den "Dialog der Religionen".


Kölner wurden mit ihren Alltagsproblemen ernst genommen. So beklagten sich Bürger schon 1972 beim Thema "Der Fußgänger - Stiefkind städtischer Verkehrsplanung?" bitter über immer noch vertraute Ärgernisse. Ein Vater fragte, als wäre es heute: "Kann mir jemand verraten, wie man mit dem Kinderwagen zur U-Bahn kommt, wenn keine Rolltreppe nach unten führt?"


Diese Tradition - Themen aufzugreifen, die den Kölnern auf den Nägeln brennen - wird nach wie vor fortgeführt, die Bürger sollen Auge in Auge mit den Verantwortlichen der Stadt diskutieren. Obwohl das Programm auf aktuelle Trends reagiert, wird das Kommunikationszentrum bleiben, was es stets sein wollte: ein Treffpunkt für neugierige Kölner, die sich eine Meinung bilden und mitreden, sich entspannen, informieren und mit gestalten wollen.

Natürlich werden weiterhin die Klassiker gepflegt, die längst Kult-Status haben: etwa die studiovisite, in der - fast immer vor ausverkauftem Saal - Fragen rund um das Thema Gesundheit und Medizin von renommierten Therapeuten und Medizinern aufgegriffen werden, vom naturheilkundlichen Hausmittel bis hin zu neuesten Ergebnissen aus der Krebs-Forschung.

Letzte Änderung: Freitag, 22.04.2016 10:06 Uhr

Termine

Oktober 2017

M D M D F S S
1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31

November 2017

M D M D F S S
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30

Dezember 2017

M D M D F S S
1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31
Köln Ticket: 0221-2801